Ein Imagefilm, der auf der Messe und auf der Website arbeiten soll, braucht nicht zwei Produktionen, sondern einen Drehtag, der von Anfang an für mehrere Fassungen geplant ist. Am Messestand läuft der Film meist ohne Ton vor Menschen, die im Vorbeigehen entscheiden, ob sie stehen bleiben. Auf der Website startet ihn jemand bewusst und hört zu. Wer beides vor dem Dreh berücksichtigt, gewinnt aus demselben Material eine deutsche Hauptfassung, eine englische Fassung und eine kurze Version für soziale Medien. Wer es erst im Schnitt bemerkt, bezahlt einen zweiten Drehtag oder behält einen Film, der an keinem der beiden Orte richtig passt.

Warum funktioniert derselbe Schnitt nicht überall gleich gut?

Weil Messe und Website zwei völlig verschiedene Zuschauer haben. Auf der Messe ist der Film Hintergrund: Er läuft auf einem Bildschirm am Stand, die Halle ist laut, und kaum jemand sieht ihn vom Anfang bis zum Ende. Auf der Website ist er Vordergrund: Wer auf Abspielen klickt, hat sich entschieden, zwei Minuten zuzuhören.

Daraus folgen zwei Anforderungen, die sich im Schnitt widersprechen können. Für die Messe muss jedes Bild ohne Sprecher verständlich sein, und der Film braucht keinen echten Anfang, weil ihn niemand am Anfang betritt. Für die Website darf er erzählen, mit Stimme, Spannungsbogen und einem Schluss, der zur Anfrage führt. Ein Film, der beides gleichzeitig sein will, wird auf der Messe zu wortlastig und auf der Website zu beliebig.

Die Lösung liegt nicht im Schnitt, sondern davor: Wenn klar ist, dass beide Einsätze kommen, wird so gedreht, dass beide Schnitte möglich sind.

Wie viel Aufmerksamkeit bekommt ein Film am Messestand?

Weniger, als man beim Planen hofft, denn der Wettbewerb um den Blick ist groß. Nach Angaben des AUMA fanden 2025 in Deutschland 304 Messen statt. Auf 6,91 Millionen Quadratmetern Standfläche präsentierten sich 191.990 ausstellende Unternehmen (AUMA, Kennzahlen der Messewirtschaft).

Auf einer großen Fachmesse steht Ihr Bildschirm zwischen vielen anderen, auf denen ebenfalls Produkte, Hallen und Drohnenflüge laufen. Nach unserer Erfahrung bleibt am Stand stehen, wer in einem Bild sein eigenes Problem oder seine eigene Anwendung wiedererkennt. Deshalb planen wir für die Messe kurze, in sich geschlossene Einstellungen, die auch ohne Ton und ohne Vorwissen verständlich sind, und Texteinblendungen, die man aus drei Metern Entfernung lesen kann. Ein langer Monolog des Geschäftsführers ist für die Website wertvoll, am Stand aber verschenkt.

Was muss vor dem Drehtag feststehen?

Vor allem die Liste der Fassungen und wo jede davon laufen wird. Daraus ergibt sich fast alles andere: welche Einstellungen gebraucht werden, in welchem Format gedreht wird, wer vor der Kamera spricht und in welcher Sprache. Diese Punkte klären wir vor jedem Dreh schriftlich:

  • Einsatzorte je Fassung: Messebildschirm, Website, Vertriebspräsentation, soziale Medien. Jeder Ort bestimmt Länge, Format und ob Ton vorausgesetzt werden kann.
  • Hochformat für die Social-Version: Wer nur im Querformat dreht, schneidet später für das Handy genau die Bildteile ab, auf die es ankommt. Wichtige Motive drehen wir deshalb mit Reserve oder zusätzlich hochkant.
  • Drehplan mit Zeitfenstern: Standorte, Produktionsabläufe und Interviews müssen in eine Reihenfolge passen, die an einem Tag machbar ist. Drohnenflüge hängen zusätzlich vom Wetter und von Genehmigungen ab und brauchen einen Ausweichplan.
  • Sprache der Sprecher: Wer auf Deutsch spricht, erscheint in der englischen Fassung mit Untertiteln oder einer Sprecherstimme. Beides muss vor dem Dreh entschieden sein, weil es den Bildaufbau beeinflusst.

Genau dieser Planungsteil ist der Grund, warum wir Videoproduktion nicht nach Kameratagen berechnen, sondern nach dem, was am Ende entstehen soll. Der Drehtag ist nur der sichtbare Teil der Arbeit. Konzeption davor und Schnitt, Farbkorrektur und Ton danach machen den größeren Anteil aus, und sie wachsen mit jeder Fassung.

Wie entstehen drei Fassungen aus einem einzigen Drehtag?

Indem jede Einstellung schon beim Dreh einer oder mehreren Fassungen zugeordnet ist. Beim Imagefilm für PVT-LSG, einen Anbieter erneuerbarer Energielösungen, war die Vorlaufzeit extrem kurz und die Drehzeit auf einen einzigen Tag begrenzt. Der Film war für den Einsatz auf Messen und auf der Unternehmenswebsite bestimmt. Heraus kamen eine deutsche Hauptversion, eine englische Fassung und eine kompakte Social-Media-Version.

Möglich war das, weil Drohne und Kamera parallel gearbeitet haben, um Standorte und technische Prozesse authentisch zu zeigen. So kam an einem Tag genug Material für drei Fassungen zusammen. Johannes Rindhauser, Geschäftsführer von PVT-LSG, fasst das Ergebnis so zusammen: „Trotz enger Zeitfenster lieferte das Team einen beeindruckenden Film, der unser Unternehmen perfekt repräsentiert.“

Ohne die Planung vorab wäre dieser Tag nicht aufgegangen. Ein paralleler Dreh funktioniert nur, wenn alle Beteiligten wissen, welche Bilder für welche Fassung gebraucht werden, und wenn der Ablauf auf die Minute steht.

Braucht ein mittelständisches Unternehmen eine englische Fassung?

Wenn Sie auf internationalen Messen ausstellen, fast immer. Der AUMA beschreibt die Motive der Aussteller in seinem Aussteller-Ausblick klar: „Internationale Messen hingegen werden vor allem gewählt, um neue Kunden in ausländischen Märkten zu gewinnen.“ (AUMA, Messeplatz Deutschland 2025) Ein Film nur auf Deutsch erreicht genau diese neuen Kunden nicht.

Günstig wird die englische Fassung, wenn sie technisch vorbereitet ist. Texteinblendungen legen wir deshalb als eigene Ebene an und brennen sie nie fest in das Bild ein, sodass sich die Sprache tauschen lässt, ohne neu zu schneiden. Spricht ein Interviewpartner sicher Englisch, nehmen wir die wichtigsten Aussagen am Drehtag zusätzlich auf Englisch auf. Das kostet am Set wenige Minuten und spart später eine Sprecherstimme, die nie ganz so überzeugend klingt wie der Mensch selbst.

Wer nur auf regionalen Messen ausstellt und ausschließlich im deutschsprachigen Raum verkauft, braucht die englische Fassung dagegen nicht. Dann ist das Budget in einer zweiten kurzen Version für soziale Medien besser angelegt.

Wie wird der Imagefilm auf der Website gefunden?

Indem er dort so eingebunden wird, dass Google ihn erkennen kann. Häufig sehen wir Filme, die in einen Slider oder in ein Fenster eingebaut sind, das sich erst nach einem Klick öffnet. Google schreibt in seinen Richtlinien zu Videos dagegen ausdrücklich: „Don’t rely on user actions (such as swiping, clicking, or typing) to load the video.“ (Google Search Central, Video SEO best practices) Ein Film, der erst durch einen Klick geladen wird, kann also für die Suche unsichtbar bleiben.

Google weist außerdem darauf hin, dass eine indexierte Seite allein nicht genügt: „Just because the watch page is indexed doesn’t mean that the video will also be indexed.“ Für einen Imagefilm heißt das in der Praxis: eine eigene Seite, auf der der Film im Mittelpunkt steht, mit einem eigenen Titel, einer Beschreibung und einem festen Vorschaubild. Wie wir Imagefilme planen und produzieren, beschreibt unser Bereich Videoproduktion.

Die Website-Fassung darf dabei länger sein als die Messefassung. Wer sie aufruft, hat den Film gesucht, und genau dort darf der Geschäftsführer ausreden.

Wann lohnt sich die Kurzfassung für soziale Medien?

Wenn sie als eigenständiger Film geschnitten wird und nicht als gekürzter Hauptfilm. Eine Social-Version, die einfach die ersten dreißig Sekunden des Imagefilms zeigt, beginnt oft mit einem Logo und einer langsamen Kamerafahrt, also mit genau den Bildern, bei denen im Feed weitergewischt wird.

Wir schneiden die Kurzfassung deshalb von hinten nach vorn: Zuerst wird das stärkste Bild des Drehtags gesucht, dann wird entschieden, was danach noch nötig ist. Bei Industrieaufnahmen ist das oft ein Drohnenflug oder ein Detail aus der Fertigung, das man so noch nicht gesehen hat. Wie aus demselben Material auch Anzeigen entstehen, die Interessenten auf eine Erklärseite führen, haben wir in Video-Ads für erklärungsbedürftige Produkte beschrieben. Dass Aufnahmen aus einem Dreh auf allen Kanälen tragen, zeigt auch Cetto Bohemia: Die Medien vom neuen Produktionsstandort werden auf Messen, auf der Website und in der Kundenkommunikation eingesetzt.

Wenn Sie vor einer Messe stehen und einen Film planen, der danach auch auf Ihrer Website und in Ihren Kanälen arbeiten soll, sprechen wir gern über Ihren Drehtag. Den Weg dorthin finden Sie auf unserer Kontaktseite.

Häufige Fragen

Reicht ein Drehtag für einen Imagefilm?

Für einen Imagefilm mit mehreren Fassungen reicht ein Drehtag, wenn Standorte, Abläufe und Interviews vorher in einem Drehplan festgelegt sind und Kamera und Drohne parallel arbeiten können. Ohne diese Planung geht am Set zu viel Zeit verloren.

Wie lang sollte ein Imagefilm für den Messestand sein?

Am Messestand sieht kaum jemand einen Film von Anfang bis Ende. Wichtiger als die Gesamtlänge ist, dass jede Einstellung ohne Ton und ohne Vorwissen verständlich ist und der Film als Schleife laufen kann, ohne dass ein erkennbarer Bruch entsteht.

Wie aufwendig ist die englische Fassung eines Imagefilms?

Der Aufwand hängt davon ab, wie gut sie vorbereitet ist. Sind Texteinblendungen als eigene Ebene angelegt und englische Aussagen am Drehtag mit aufgenommen, ist die englische Fassung vor allem Schnittarbeit. Muss nachträglich eine Sprecherstimme produziert werden, steigt der Aufwand deutlich.

Sollte der Imagefilm auf YouTube oder direkt auf der Website liegen?

Beides ist möglich. Entscheidend ist, dass der Film auf der eigenen Website auf einer eigenen Seite eingebunden ist, ohne erst durch einen Klick geladen zu werden. Google empfiehlt ausdrücklich, das Laden des Videos nicht von Nutzeraktionen abhängig zu machen.